8. Dezember 2020


Wie weihnachtelt man?
Eine Geschichte von Lorenz Pauli

«Euleuleule!» ruft der kleine Hase. Die Eule öffnete ein Auge. «Eule, was ist Weihnachteln? Wie weihnachtelt man?»
«Weihnachten...?», sagte die Eule und blinzelte. «Weihnachten ist, wenn... wenn alle der Eule ein Geschenk bringen.» Der Hase staunt: «Ach, so ist das!» «Ja! Und dann ist da noch ein Weihnachtsbaum, ein Baum, der glitzert und leuchtet.» «Eule, Eule, das muss ich den Anderen sagen. Wir weihnachteln!» Und schon ist der kleine Hase weg.

Der kleine Hase fragt seine Freunde, ob sie auch weihnachteln wollen. Der Dachs lässt sich nicht stören, der Bär lässt sich nicht wecken, aber Eichhörnchen, Specht und Maus machen mit. Alle werden der Eule ein Geschenk bringen. Der kleine Hase hat bereits eine Idee: Beim Graben hat er einen Glücksstein gefunden. Daraus macht er eine Halskette. Die wird der Eule gefallen, denkt er.

Endlich ist es so weit. Der kleine Hase macht sich auf den Weg zur Eule. Hopp, hopp, ... hoppla? Was ist dort los? Das Eichhörnchen schluchzt: «Ich hab für die Eule einen Kreisel genagt. Aus einem Tannenzapfen. Und jetzt ist er mir zerbrochen.» Der kleine Hase tröstet das Eichhörnchen und streckt ihm sein Geschenk hin: «Für dich, weil heute Weihnachteln ist. Und jetzt nagen wir zusammen einen neuen Kreisel. Ich habe ganz praktische Zähne.» Schön sieht die Halskette auf Eichhörnchens Pelz aus! Mit dem fertigen Kreisel machen sie sich auf den Weg zur Eule.

Hopp, hopp, ... hoppla? Was ist da los? Von weitem hören sie den Specht zetern. «Wo ist sie bloss? Wo liegt sie bloss? So ein Käfermist!» Der Specht hat für die Eule eine Flöte gemacht. Die Löcher hat er mit dem Schnabel selbst gehackt. Aber jetzt ist sie ihm runtergefallen. «Wir helfen dir suchen», sagt das Eichhörnchen. «Zusammen finden wir deine Flöte rasch. Und weil heute Weihnachteln ist, habe ich ein Geschenk für dich: einen Tannenzapfenkreisel.» Und der kleine Hase ruft: «Und ich habe die Flöte schon!»

Zu dritt machen sie sich auf den Weg zur Eule. Hopp, hopp, ... hoppla? Was ist denn da los? Die Maus wimmert leise: «Ich schäme mich so. Da habe ich doch für die Eule ein Bild gemacht, aus ganz vielen Körnern. Das Bild sah richtig schön aus. Aber dann, dann bekam ich plötzlich einen Riiie-sen-hun-ger und...» Der Specht trippelt von einem Bein aufs andere: «Ach was, das kriegen wir gemeinsam wieder hin. Und weil Weihnachteln ist, schenke ich dir eine Flöte. Du spielst darauf und wir flicken dein Bild.» Die Freunde machen sich an die Arbeit und als sie fertig sind, staunen sie über ihr Werk. Das Bild ist beinahe schöner als zuvor.

Hoo-hopp! – heben sie es hoch und machen sich auf den Weg zur Eule. Endlich sind sie da. Die Eule wartet mit schlechtem Gewissen. Sie hat dem Hasen gesagt, alle müssten nur ihr ein Geschenk bringen, und dabei weiss sie: Weihnachten ist ein Fest für alle.

Der kleine Hase lacht und sagt: «Eule, es ist anders gekommen. Ich habe mein Geschenk dem Eichhörnchen geschenkt, das Eichhörnchen seins dem Specht, der Specht seins der Maus und die Maus... die Maus ist die Einzige, die ein Geschenk für dich hat.» Die Eule schaut das Körnerbild an. Schliesslich sag sie: «Dann hat nur einer noch keine Geschenk bekommen... Lieber Hase, was wünschst du dir?» Der kleine Hase strahlt: «Einen Weihnachtsbaum, einen der glitzert und leuchtet.»

Die Eule führt den kleinen Hasen auf die Wiese – unter die grosse Tanne. Als er hinaufschaut, sieht er die Sterne durch die Äste blinken und glitzern. Und der Mond leuchtet auf der Tannenspitze. Ein wunderbarer Weihnachtsbaum. Die Maus nimmt die Flöte und spielt ein Lied. Und alle singen mit.

Fenstergestaltung Dan Reusser